Freitag, 21. Februar 2014

Der Staat und die Ehrenmorde




Der Staat und die Ehrenmorde

by Joern Petersen

©iStock.com/Anthony Brown
©iStock.com/Anthony Brown
Die Ehrenmorde sind in der Türkei noch immer ein großes Problem,  regelmäßig berichten auch deutsche Medien darüber. Nun hat die Polizei in Ankara neueste Zahlen veröffentlicht, die jedem Menschen zu denken geben sollten.
Die neuesten Zahlen zur Gewalt gegen Frauen in der Türkei sind besorgniserregend.  Im vergangenen Jahr sind nach offiziellen Angaben 28.000 Frauen Opfer von häuslicher Gewalt geworden, mindestens 62 Frauen bezahlten dies sogar mit dem Leben.  Landesweit ist es schon 50.000 Männern gerichtlich verboten worden, sich ihren Frauen oder Freundinnen zu nähern,  doch gebracht hat dies nichts. Vermutlich liegen diese Zahlen inoffiziell noch wesentlich höher.  Seitdem die islamisch orientierte Partei AKP regiert, steigt das Problem an und Morde an Frauen nehmen mehr und mehr zu. Es wird aber vermutet, dass diese Todesfälle nun häufiger gemeldet werden.
Die AKP hatte einiges versucht, um Gewalt gegen Frauen einzudämmen.  Die Strafen für Ehrenmorde wurden dramatisch verschärft. Oft muss sich nun die ganze Familie vor Gericht verantworten,  wenn der Mord auf Beschluss eines Familienrates erfolgte. Leider aber brachte all dies gar nichts,  bestärke sogar jene Kreise, die einen Mord an unzüchtigen Frauen als gottgefällig bezeichnen. Auch die Schutzprogramme brachten nicht den gewünschten Effekt. Viele der Opfer gehörten zu den staatlich geschützten Frauen, die sogar unter Polizeischutz standen, sterben mussten sie trotzdem.  Der Wille des Familienclans ist einfach zu groß, der sich auch durch Bestechung gewünschte Informationen beschafft. Der Ehrenmord geschieht oft nicht für sich selbst, sondern für einen großen Kreis von Menschen.
All dies sind bedenkliche Zahlen, die bei mir viele Fragen aufwerfen. Kann man sich so auf Religion berufen, wonach ein Menschenleben keinen Wert mehr besitzt? Darf man sich so auf Religion berufen? Nein, das kann und darf man nicht! Religiöse Ansichten mögen sehr unterschiedlich sein, doch hier geht die Selbstbestimmung viel zu weit. Es muss wirklich in Frage gestellt werden, ob eine Gesellschaft, die sich so sehr von der westlichen Religion unterscheidet, sich durch einen gemeinsamen Markt implementieren läßt?  Vielleicht hat die deutsche Regierung auch davor Angst, wenn es um einen Eintritt der Türkei in die EU geht. Ich kann es mir nicht verdenken!
Joern Petersen | Februar 21, 2014 um 10:22 vormittags | URL: http://wp.me/p3EdBj-V3