Montag, 28. März 2016

Hubert von Wenzl *** HIOB und der stumme Gott



HIOB und der stumme Gott

Theologen drehen und winden sich, wenn sie nicht weiter wissen. Dann werden sie schwammig, nebulös in ihrer Sprache und verlieren sich im Ungewissen. So auch, wenn es um das Leid in der Welt geht. Dann kommt auch gerne der Spruch, dass Gottes Wege unergründlich sind..

Der Kläger Hiob tut im Alten Testament, wovor heutige Theologen und Exegeten stets zurückschrecken: Er beschuldigt Gott selbst, Ursache des ungerechten und unschuldigen Leidens zu sein und darüber ebenso schweigen wie über die Folgen. Das Wort über die Zustände Gottes und der Menschen bleiben unversöhnt; gerade die lieber Gott macht diese Welt nicht mehr heil.

“Nackt übernachten sie, der Kleidung bar; selbst in der Kälte fehlt ihnen die Decke. Vom Regenguß der Berge triefen sie und schmiegen sich ohne Schutz an die Felsen. Man raubt das Feld der Waisen und nimmt als Pfand von Armen selbst den Mantel. Halbtote rufen aus der Stadt empor, die Seele der Misshandelten schreit auf. Doch Gott bleibt stumm auf ihre Klage”(Hiob 24,7-12).

Alles Leid der Menschen, der Tiere und Pflanzen, das wirklich zu beseitigen ist (weil es von Menschen, Christen, Kirchen verantwortet wird), muss von den Menschen selbst angegangen werden. Unsereins sollte das Bessere nicht vom Tod und dem angeblichen Leben nach diesem erwarten, sondern von sich selbst. 

Dies war der Antike noch bewusst: Ihre Menschen fürchteten den Tod weit weniger als die Menschen des christlichen Abendlandes – weil sie lebten, während den Christen das Leben mit seinen Sinnen aberzogen wurde. Da der Wandel des Christenmenschen im Himmel sein sollte (Phi. 3,20), blieb für die Erde wenig über. Irdisches Leid ist für viele Christen weithin unerheblich; sie sehen nicht recht ein, weshalb sie sich im Jammertal engagieren sollen.

“Daran erkennen wir geschwind, / wie jämmerlich sie selber sind.”

Lebendige Menschen sollten nicht den Tod aus der Welt schaffen wollen, sondern die Übel, die aufzuheben sind, die Leiden, die in der Faulheit, Gleichgültigkeit, Unwissenheit, der Menschen ihren Grund haben. Sie sind die Schrecklichsten.

Aus “Sex und Folter in der Kirche – 2000 Jahre Folter im Namen Gottes” von Horst Herrmann, S. 146.
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Gruß Hubert